
Das neue Studioalbum von MADNESS.Dreißig mehr oder weniger verrückte Jahre liegen hinter Madness, seit sich die Band zu Teenagerzeiten 1977 unter dem Namen The North London Invaders, als Ursprung in Londons Camden Town, zusammenfand. Ab sofort ist ihr mittlerweile neuntes Studioalbum „The Liberty Of Norton Folgate“ im Handel erhältlich und zeigt, dass die Musiker auch heute noch ihre schön schräge Musik-Mixtur vortrefflich beherrschen.
Anzeige Mike Barson „Monsieur Barso“ (keys), Lee Thompson „Kix“ (sax) und Chris Foreman „Chrissie Boy“ (g) spielten eine eigenwillige Mischung aus Ska und Punk, die schnell Fans im Norden Londons fand. Ergänzt durch Graham „Suggs“ McPherson (voc) und Carl Smyth (voc, trumpet) alias „Chas Smash“ waren sie zuerst als Morris and the Minors unterwegs, bis Ende 1978 Mark Bedford „Bedders“ (b) und Dan Woodgate „Woody“ (dr) eingestiegen sind. Die Band gab sich im April 1979, nach einem Hit der jamaikanischen Ska-Ikone Prince Buster, den Namen Madness. Dieser charakterisiert treffend den ausgesprochen partytauglichen Verrücktheitsgrad der sieben Briten.
Mit ihren energiegeladenen Konzerten lösten sie geradezu einen Ska-Hype auf der Insel aus und katapultierten das inzwischen legendäre Indie-Label 2-Tone Records unversehens in den Mittelpunkt der britischen Musikszene. Ihre Debütsingle „The Prince“, eine weitere Verbeugung vor ihrem Idol Prince Buster, erschien 1979 bei 2-Tone und wurde ein Überraschungserfolg, der es in die britischen Top 20 schaffte. Ihr Debüt-Album „One Step Beyond“ erschien bald darauf beim Label Stiff Records und die selbsternannten „Nutty Boys“ stürmten europaweit an die Spitze der Charts. Der Titelsong, ein Prince Buster-Cover, wurde zur Hymne der Band und bescherte den Teenagern Multiplatin. 1983 hatten Madness mit „Our House“ vom Album „The Rise and Fall“ einen Welthit, der unter anderem in Großbritannien, Deutschland und sogar in den USA die obersten Ränge der Charts belegte.
Bis zu ihrer ersten Trennung 1986 veröffentlichte Madness sechs Alben und punktete vor allem mit ihren zahlreichen Singles. Die ersten 20 Single-Auskopplungen erreichten die Top 20 der britischen Charts – ein Erfolg, den weder Elvis Presley, noch Cliff Richard oder die Beatles für sich verbuchen konnten. Die gestrengen englischen Kritiker feierten Madness als ernstzunehmende Songwriter und stellten sie neben die Kinks und The Clash auf eine Stufe des britischen musikalischen Erbes.
Nach einigen weiteren Welthits stieg Keyboarder Mike Barson aus, der den „Nutty Sound“ wesentlich mitgeprägt hatte. Die Band machte ohne ihn weiter und der Sound wurde mehr und mehr durch Synthesizer-Klänge erweitert. Nach dem Versuch 1988, Madness als The Madness wieder aufleben zu lassen, gingen auch die verbliebenen Bandmitglieder getrennte Wege. Erst 1992 gab die Originalbesetzung vor 72.000 Zuschauern zwei umjubelte Konzerte im Finsbury Park und die Fans feierten begeistert das Comeback. Für die nächsten Jahre beschränkte die Band sich auf wenige, aber umso erfolgreichere Konzerte. Unter dem Titel „Wonderful“ erschien nach 14 Jahren Pause 1999 das letzte Madness-Studio-Album, das der Band in ihrer Heimat den Top-Ten-Hit „Lovestruck“ bescherte.
Bis 2006 beschränkte die Band ihre Aktivitäten weitestgehend auf Konzerte. 2007 erschien in Deutschland über Sony BMG die Single „NW5“ mit einem neuen Mix des Madness-Hits „It Must Be Love“ als Doppel-A-Seite. Beide Tracks wurden, wie auch „The Wizard“ vom „Wonderful“-Album, von der Band für den deutschen Kinofilm und den dazugehörigen Soundtrack „Neues vom Wixxer“ zur Verfügung gestellt.
Ab sofort gibt es nun das erste Madness-Studio-Album seit „Wonderful“. Auf „The Liberty Of Norton Folgate“ finden sich 14 typische Madness-Klassiker: subversive, überschwängliche britische Popmusik vom Feinsten – wie man sie von einer der erfolgreichsten und ausdauerndsten Bands der Insel erwarten darf.
Wie auf allen vorherigen Madness-Alben sind auch auf „The Liberty Of Norton Folgate“ musikalische Beiträge von allen Band-Mitgliedern enthalten und die Veröffentlichung beweist erneut die musikalische Vielfalt dieser außerordentlich kreativen Künstler. Die Heimatstadt der Band zieht sich wie ein roter Faden vom Anfangstrack „We Are London“ bis zum zehnminütigen Finale des Titelsongs durch, erzählt von der Vielseitigkeit und den eigenwilligen Charaktereigenschaften ihrer Bewohner und dient nicht zuletzt als Hintergrund für die vielen Geschichten dort gelebten Lebens. Wenigen Bands ist es so gut gelungen, London musikalisch zu erfassen wie Madness. „The Liberty Of Norton Folgate“ ist fast so etwas wie ein Audio-Gate zu einer der großartigsten Städte der Welt.
Norton Folgate ist ein kleiner Bezirk im Osten Londons, der sich von den Nachbarbezirken durch ein einzigartiges Freiheitsgefühl unterscheidet, das von den Einwohnern dieser Gegend bestimmt wird. Schon immer ein Lieblingsort von Künstlern und Schauspielern, symbolisiert Norton Folgate die Seele und die Unabhängigkeit Londons und seiner Bewohner, eine Stadt, die wie kaum eine andere von ihrer Innovationskraft und Abenteuerlust lebt. Also kein Wunder, dass die Briten diesem Ort eine Hymne auf ihrem Album widmen, der diese Vielfältigkeit musikalisch auf den Punkt bringt.
Eine „Städtetour“ der etwas anderen Art wird mit dem ersten Song „We Are London“ unternommen, der auf einen musikalischen Streifzug durch die Hauptstadt des britischen Empire einlädt. Bläserverstärkt und groovend geht es hingegen bei „Forever Young“, der ersten Singleauskopplung, zur Sache, was einen beschwingt und gut gelaunt in den Tag schickt. Bei „That Close“ und „Idiot Child“ zeigt sich dann wieder diese fröhliche und eigene Madness-Mischung, die diese Band so unverwechselbar macht.
Auf „The Liberty Of Norton Folgate“ überzeugen die Briten mit gekonntem Spiel- und Wortwitz, der einen vom ersten bis zum letzten Ton in fröhliches und enthusiastisches Madness-Feeling versetzt. Dieses Partyflair werden sie auch im Sommer im Gepäck haben, wenn sie die großen deutschen Bühnen stürmen.
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