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The Dø
A Mouthful – Veröffentlichung am 17.04.09.

Kulturschock im stolzen Mutterland des Chanson. Da erobert ein bislang weithin unbekanntes Pop-Duo aus Paris die Spitze der französischen Charts. Sängerin Olivia Merilahti singt ihre Songtexte auf englisch. Einen charmanten Folk-Rap verfasste sie gar in finnischer Sprache. Mittlerweile haben The Dø stattliche 200.000 Platten ihres Debut-Albums „A Mouthful“ verkauft.
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Worauf sich die ehrwürdige Tageszeitung „Le Monde“ genötigt sah, einen Grundsatzartikel über das Phänomen französischer Bands zu verfassen, die Erfolge mit englischen Lyrics feiern. Internationale Karrieren jenseits von Daft Punk, Phoenix und Nouvelle Vague. „Ich könnte niemals einen Song auf Französisch schreiben“, verkündete damals forsch die 26-jährige Olivia. „Es entspricht einfach nicht meinem Musikgefühl. Außerdem geht es mir um eine universelle Wirkung. Und Englisch ist nun mal die Universalsprache!“ Mon Dieu! – harter Tobak für die vom strengen Sprachregiment der Académie Francaise gestählte Leserschaft.
Eine derart breite Resonanz hatten Olivia Merilahti und der Jazz- und Filmkomponist Dan Levy kaum erwartet, als sie sich bei der Bearbeitung des Spielfilms „Empire of the Wolves“ vor vier Jahren zufällig kennen lernten. Aufmerksame Mitarbeiter führten die Beiden zusammen: Hier der klassisch ausgebildete Studioarbeiter mit tunesischen Wurzeln. Für Levy bedeutete Popmusik bis dahin lediglich eine theoretische Kompositionsaufgabe. „Ich wollte eigentlich nie heraus aus meinem Tonstudio, in dem es ruhig und friedlich zuging“ erzählt Levy. „Doch Olivia hat mich ungemein inspiriert mit ihren windschiefen Ideen, von denen sie jeden Tag eine angeschleppt hat.“ Dort die schräg-forsche Sängerin, deren Familie aus Helsinki stammt. Ein eher ungewöhnliches Paar.
Gemeinsam sind sie angetreten, „mehr Farbe ins Popspektrum zu bringen“ (Levy). Ähnlich wie Beck, Leslie Feist oder das britische Duo Goldfrapp fügen die Beiden ganz unterschiedliche Elemente aus dem Bauskasten der Pophistorie zu einem stilsicheren Gesamtkunstwerk zusammen. Wie gut diese Komponenten miteinander harmonieren (oder eben: bewusst NICHT harmonieren!) beweist die zerbrechliche Single-Auskopplung „On My Shoulders“. Ein Indie-Hit, der längst weite Kreise gezogen hat. Von Schweden bis Australien. Eine niedliche Schwelgerei, an der die frühen Cardigans sicherlich ihre Freude gehabt hätten. Bemerkenswert auch, dass The Dø in ihrem Erscheinungsbild ganz bewusst mit internationalen Pop-Mythen spielen. Die verwaschenen Farben unbekannter amerikanischer Provinzstädte spielen dabei in ihren Videos genauso eine Rolle wie die surreale Fantasiewelten des Glamrock. „Klassisch französische“ Verweise dagegen sucht man vergebens. Indieland statt Eiffelturm, Paris als Drehscheibe des Weltpop. „In Zeiten von Globalisierung und Internet sind wir eher Europäer als Franzosen“, sagt Levy.
Auf ihrem Debutalbum „A Mouthful“ gehen die The Dø aber noch einige Schritte weiter. Mit „Playground Hustle“ liefern The Dø einen wunderschönen Beitrag zur aktuellen Barock-Folk-Strömung; irgendwo zwischen The GoTeam und den Fleet Foxes. „At last“ wiederum bedient sich im Wunderland des Harmoniepop - kunstvoll gekontert durch Olivias unprätentiöse Stimme. Auch auf Electro und HipHop machen die Beiden sich ihren Reim – etwa in „Coda“, „Aha“ und ganz besonders in „Queen Dot Kong“, wo Olivia ihre ureigene Eminem-Interpretation gibt. „Popmusik und insbesondere Mädchenpop flirtet stets mit einer Portion Schüchternheit. Im US-Rap wiederum machen sie auf dicke Hose“, sagt Levy . „Vielleicht stecken wir genau dazwischen“, erklärt Levy nicht ohne Selbstironie das Geheimnis von The Dø. „Vielleicht verkörpert Olivia die Schüchternheit und ich bin der französische 50 Cent!“
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[ DM ]
     [01.02.2009]
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